Erstes Kapitel

Die Rache des Wörthersee-Mandls oder das Leben geht weiter

Mit den Wörtherseern geht es bergauf


Er ist 19,4 Quadratkilometer groß und bis ins 19. Jahrhundert hinein, hieß er noch "Werdersee". Der Wörthersee ist der größte See Kärntens. Entstanden ist er, weil die Menschen jener Stadt, die einst dort stand wo sich jetzt der See erstreckt, mehr mit Singen, Tanzen und Lustbarkeiten am Hut hatten, als mit grundsolidem Lebenswandel. Als das muntere Völkchen dereinst dem Ostergeläut kein Interesse schenkte und fleißig weiter feierte, anstatt in sich zu gehen, tauchte ein kleines Mandl auf und mahnte die Lärmenden: "Oh, ihr Schwelger, wisst ihr nicht, welche Feier wir morgen begehen? Kehret heim, ehe die Stunde der Buße verrinnt und die Strafe euch erreicht". Nun gut, die Worte des Kleinen verhallten ungehört und so tauchte das Mandl erneut auf, zog erzürnt bei seinem mitgebrachten Fässchen den Korken und das Wasser begann unaufhörlich zu rinnen. Insgesamt waren es wohl 816,44 Millionen Kubikmeter , die sich da ihren Weg bahnten. Alles ging unter und seither gibt's den See. Aber das Leben ging weiter. Andere Menschen zogen ans Ufer des jungen Sees und die singen und tanzen erneut wie einst im Mai.

Aber gut so, denn sonst hätte es die "Wörtherseer" nie gegeben, die am Ufer des Sees seit vielen Jahren Musik machen. Das Quartett startete einst vor Jahren als Wörthersee-Echo und spielte in erster Linie Volksmusik. Die Besetzung veränderte sich im Laufe der Zeit und heute ist gerade noch Charly Oitz, der Bassist und musikalische Leiter, als einziges Mitglied von einst in der Band aktiv. Es wurde viel experimentiert, neue musikalische Wege erprobt und so hat sich eines zum anderen entwickelt. Die heutigen "Wörtherseer" sind ein musikalisches Generationenprojekt, eine eingeschworene Gemeinschaft, deren Altersbogen von 30 bis 50 Jahren reicht. "Es ist diese Mischung, die es ausmacht", erzählt der Sänger und Frontmann Seppi Lesiak und ergänzt: "Die Erfahrung und der professionelle Weitblick von Charly, die Jugend von Drummer Wolfi und auch das Können unseres Gitarristen Tommy". Letzterer ist erst vor einigen Monaten zur Band gestoßen. Der Mann ist der Liebe wegen von Serbien nach Kärnten gezogen und hat eine veritable Karriere in seiner Heimat hinter sich gelassen. "In Serbien ist er richtig populär, aber die Liebe war stärker", schmunzelt Drummer Wolfi und heute sind die "Wörtherseer" froh über diese internationale Verstärkung.

"Jetzt passt alles", so Seppi der damit das perfekte Gefüge innerhalb der Gruppe anspricht. "Wir sind gute Freunde, sprechen alles im Kollektiv durch und wissen, wohin die Reise gehen soll". Und wohin soll sie gehen? In die musikalische Eigenständigkeit. Die Leute kommen vermehrt zu unseren Konzerten, weil sie entdecken, dass wir nicht ausschließlich eine Cover- und Tanzband sind. Natürlich wird viel getanzt, aber wir lassen vermehrt neue, eigene Songs ins Programm einfließen und bemerken, dass das vom Publikum goutiert wird. Es geht bergauf mit den "Wörtherseern". Seppis Stimme entwickelt sich mehr und mehr zum Markenzeichen, die Band wird so schnell wiedererkannt. Der Aha-Effekt, auf den alle erfolgreichen Combos verweisen können. Auch die Buchungslage nimmt stetig zu, "aber wir wollen es nicht übertreiben", so die Band, denn "es ist besser man macht sich rarer als man spielt an jeder Ecke. Sonst wird man leicht beliebig". Da ist was dran. Demzufolge stellt sich auch die Zielrichtung der Karriere neu dar.

Neue Firma, neue Agentur, neue CD "Komm Tanzen mi amor"


ws cd1Eine neue CD ist im Anrollen. Der Titel ist Programm und beschreibt bereits die Stärken der Wörtherseer: "Komm Tanzen mi Amor". "Das Publikum unterhalten", erklärt die Band unisono und dementsprechend abwechslungsreich stellt sich auch der Titelmix dar, bei dem Christian Zierhofer als ausführender Produzent an den Reglern gesessen ist. Der Mann ist eine Top-Adresse für modernen Schlager und in seinem Studio in Wiener Neustadt hat schon so mancher Hit laufen gelernt. Die erste Single "Es ist Okay" wärmt sich gerade für die Airplay-Charts auf. Weitere Titel der CD haben das Zeug zum Ohrwurm. "Herzenshitparade" und "Du bist so schön wie der Wörthersee" oder der absolute Geheimtipp "Una Notte Con Te", ein höchst eingängiger Fox-Song mit hohem Hitpotential geben berechtigten Anlass dazu, dass die Karriereträume der Band keine Schäume bleiben werden. "Wir sind sehr happy mit diesem Album", erzählt Charly und der Stolz in seiner Stimme über das jüngste CD-Baby ist dabei nicht zu überhören.

Welche Songs sind die Favoriten der Band? "Das ist schwer zu sagen, denn wir finden die gesamte Mischung sehr gelungen, aber der Titelsong zählt natürlich dazu und auch die Ballade "Ich wein um dich". Charly Oitz setzt kurz ab, um dann fortzufahren: "Dann noch "Jedes Herz fährt Achterbahn" und "Schöne Momente", aber wie gesagt, eigentlich hat jedes der Lieder seinen eigenen Charme". Die CD erscheint bei Universal Music Wien. Ein Novum, wurden doch Schlagerbands bisher nahezu ausschließlich beim Schwesterlabel Koch-Universal unter Vertrag genommen. Um die Buchungslage kümmert sich die Agentur Scheibmaier. Dort ist man sonst mit Ludwig Hirsch, STS oder Operetten beschäftigt, "aber denen taugt`s, was wir machen und so sind wir die einzige Schlagerband, mit der sie zusammenarbeiten", erklärt Seppi nicht ohne Stolz. Seppi, der im Übrigen bei der TV-Reality-Soap "Bauer sucht Frau" über Nacht landesweite Popularität erreichte. Seither kennt man den Blondschopf und der Bekanntheitsgrad der "Wörtherseer" ist größer geworden. "Aber das ist vorbei. Es war eine lustige Episode in meinem Leben, doch ab nun zählt nur noch die Band", sagt er heute und wenn dann der Schmäh rennt, erzählt er lieber von der Salami, die sie daheim am Hof, droben am Radsberg selber machen und die sich als gern gegessenes Mitbringsel ins Tonstudio entwickelt hat.

Der Bauer macht gute Salami, ebenso wie er und seine Kollegen es beherrschen, die Menschen zu unterhalten. Das ist gut so, denn gesungen, getanzt und gefeiert wird rund um den See nach wie vor, gerade so als hätte das Wörthersee-Mandl damals nie das Fass aufgemacht…

Zweites Kapitel

Mit den Wörtherseern geht es weiter bergauf
Achtung: Frisch verliebt! oder vier Mann im Boot


Rückblick: Im März 2010 traf ich die Wörtherseer in Klagenfurt. Eine CD war im Anrollen und das Quartett bestehend aus Seppi, Charly, Wolfi und Tommy bat mich den Pressetext zu schreiben. Daraus ist das 1. Kapitel dieser Geschichte geworden. Die Band war damals einige Monate zuvor neu formiert worden, Gitarrist Tommy war an Bord gekommen und die Tinte am Plattenvertrag mit Universal Music war gerade erst dabei, aufzutrocknen, also gab es doch einiges zu erzählen. Papier ist geduldig, heißt es aber mit der Geduld ist es so eine Sache im schnelllebigen Showgeschäft… Der Text war kaum geschrieben, schon war er von der Zeit überholt: Die CD ‚Komm Tanzen Mi Amor' war in Vorbereitung, da schafften die Wörtherseer den Sprung ins Finale zum Grand Prix der Volksmusik 2010. ‚Das war noch dazu das Jubiläum der Sendung. 25 Jahre Grand Prix, entsprechend groß war das Publikumsinteresse', erinnert sich Sänger Seppi Lesiak und Kollege Charly Oitz ergänzt: ‚Wir sind mit dem Vorsatz ‚Dabeisein ist wichtig' reingegangen und mit dem Sinnspruch ‚Es gibt 15 Gewinner und einen Sieger' wieder aus der Show gekommen'. In der Tat, der Grand Prix (Eurovisons-Sendung, ausgestrahlt in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol) hat der Karriere der vier Musiker einen starken Schub gegeben. Dieser Auftritt in der Champions League des Schlagers und die ‚Frauensuche' des Seppi Lesiak, diese beiden Ereignisse gaben den Ausschlag zu verstärkter Popularität. Der Seppi hatte einige Monate zuvor bei ‚Bauer sucht Frau' sein mediales Glück gesucht und sein Gesicht ist daher der einschlägigen Zielgruppe durch die TV-Show auch bereits entsprechend bekannt gewesen, als die Band beim Grand Prix in Wien antrat. Soweit lief es seit März richtig gut für die Jungs.

Heute: Anderthalb Jahre später, im September 2011, traf ich die Wörtherseer wieder. In einem Kaffeehaus im kärntnerischen Kühnsdorf saßen wir und klar, es war ein Heimspiel, aber die Popularität von Musikern lässt sich auch daran ablesen, wie oft von allen Seiten gegrüßt wird. Servas, Griass Di, Wie geht's? Die Fans outeten sich der Reihe nach. Es wurde sehr oft gegrüßt, in den 60 Minuten in denen ich mit den Band-Mitgliedern geplaudert habe. Thema: Neues Album - Titel: Achtung: Frisch verliebt!. Pressetext.

Seppi, Charly, Tommy und Wolfi. Die Besetzung war gleich geblieben, die Qualität der Aufnahmen und Songs hatte sich aber deutlich gesteigert. ‚Wir haben viel dazugelernt', sagt Wolfi und entsprechend gut ist das Feed-Back des Publikums. ‚Wir merken, wie wir auf der Bühne zu einer Einheit geworden sind, viel mehr als Band agieren und einen großen Anteil daran hat Tommy. Er hat uns zusammen geschweißt', so Seppi. Tommy, der Ausnahmegitarrist aus Serbien. In der Heimat ein Star, bei den Wörtherseern der Mann, durch den der Professionalismus endgültig eingezogen ist. Ein Bühnentier und Motivator. Durch ihn sind sie komplett und mit ihm in eine neue Liga aufgestiegen. Die Gigs werden immer mehr, mittlerweile bereisen sie ganz Österreich. Von Ost nach West, von Norden nach Süden. Fanclubs werden in den verschiedenen Ecken des Landes gegründet und finden regen Zulauf, der LKW wurde zu klein da das Bühnen-Equipment immer umfangreicher geworden ist und immer öfter stehen sie mit den anderen Größen des Genres gemeinsam auf einer Bühne. Aber da gibt es die Momente, wo sich zeigt dass Freundschaft, Familie, Tradition dem Quartett wichtig ist: Die Schifffahrt am Wörtersee. Die ‚Thalia' wird gemietet und dann geht es für mehrere Stunden hinaus in den See der ihnen den Namen gab. Rund 300 Fans sind mit dabei. Hunderte müssen leider an Land bleiben, denn mehr Platz bietet das Schiff nicht. Seit Jahren schon findet diese See-Partie statt. Am Tag zuvor werden die Brote geschmiert. Hunderte! Brot, Speck, Schinken, Salami - alles aus eigener Erzeugung des Bauernhofes Lesiak. ‚Mama backt und die Dirndln aus meinem Heimatort kommen und alle helfen mit', sagt Seppi und auch am Schiff ist alles Familiensache. Karten abreißen, der Glückshafen (Tombola), Gästebetreuung… die Familien der Musiker halten zusammen. Dieses Jahr kam ein Gewitter auf. Der Regen schoss waagrecht daher und legte den Strom lahm. Anlage und Mischpult: Tilt! An das Aufdrehen der Verstärker war nicht mehr zu denken, also ging Seppi ‚unplugged' an die Front. Kein Mikro, einfach auf seine Präsenz vertrauend. Schunkellieder hielten die Fans bei Laune und vertrieben die Angst vor dem Unwetter. Das ist es, was die Wörtherseer auszeichnet. Der direkte Umgang mit den Fans, so wie er bei der ersten Fanreise gepflegt wurde. ‚Wir sind dieses Jahr nach Porec gefahren. 100 Leute und wir vier…Ramba-Zamba', sagt Charly und Wolfi ergänzt, ‚dass es schön war, die Zeit mit den Fans zu verbringen, denn immerhin hat man ihnen viel zu verdanken'.

Freuen dürfen sich die Fans der Wörtherseer auf die neue CD. Das Coverfoto hat Symbolkraft: Vier Mann in einem Boot. Produziert hat Christian Zierhofer, einer der erfolgreichsten Schlager-Produzenten Österreichs. Aus mehr als 150 Songs haben sie die Lieder dafür ausgewählt und auch zweimal selbst zur Feder gegriffen. Das Ergebnis überzeugt. Uptempo-Songs, optimal tanzbarer Fox oder die eine oder andere Ballade. Die CD ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Sie ist wesentlich kompakter als das Vorgänger-Album. Man merkt der Band den Reifeprozess an der sie in den vergangenen 18 Monaten geformt hat. Die Chancen für die nächsten Karrierestufen sind gegeben. Die Ziele, die sie anpeilen, sind realistisch: ‚Wir wollen in den Airplaycharts, also der Schlagerparade, einmal für einige Wochen ganz vorne stehen', sagen die Wörtherseer und vielleicht wird die Band ja auch interessant genug für den heimischen ORF und es erreicht sie eine Einladung fürs beliebte TV-Spektakel ‚Musi Open Air'. ‚In Bad Kleinkirchheim, also in unserer Kärntner Heimat auf der Bühne stehen und Musik machen, das wäre ein Traum', erklären sie unisono und da es bei den Wörtherseern offenbar immer runder läuft, sollten Träume nicht Schäume bleiben.

-andy zahradnik / Musikjournalist-